Hi Hi Ho – Piraten, reduce to the max

25. September 2013 Posted by Bytewurm

In den Tagen nach der Wahl hat es viele Artikel von Piraten und auch von nicht-Piraten über die Piraten gegeben. Einige davon fand ich amüsant, andere eher weniger. Alle haben versucht einen Teil der Probleme aufzuarbeiten, aber meiner bescheidenen Meinung nach sind alle am Kernproblem vorbeigerannt.

Es ist nicht unser Problem, dass wir „zu wenig auf der Straße sind“. Es ist auch nicht unser Problem, dass wir ein zerfasertes Vollprogramm haben und uns nicht auf unsere Kernthemen konzentriert haben. Wir haben auch nur am Rande ein Problem mit der vielgenannten Zeitelite und der fehlenden SMV. Ebenfalls nicht unser Problem sind die Witzbolde, die in 2,2% noch eine Steigerung um 10% gegenüber 2% in 2009 sehen – fein, aber Relevanz: Null. Alles nur kleine Bausteinchen, aber echte Probleme sehen anders aus.

Unser Problem sind _wir_. Und zwar wir als Menschen. Jawohl, auch Piraten sind Menschen. Wir haben uns aber zu viel zugemutet in den letzten Jahren, wir sind ausgebrannt, lustlos, ohne Energie, ohne Antrieb. Alles wurde nur noch auf kleiner Flamme gekocht, weil keiner mehr die nötigen Nerven hatte große Schritte zu tun. Die Rücktritte im BuVo sind auch nicht den Umgestaltungen und Generationenwechseln geschuldet wie zB bei den Grünen oder der FDP, die sind (behaupte ich) im Wesentlichen dem fehlenden persönlichen Wohlbefinden geschuldet, das man bei diesem Arbeitspensum im ehrenamtlichen Bereich nicht lange aufrecht erhalten kann.

Ich habe es an mir selber gesehen: 2010/2011 noch voller Elan. Dann in 2012 durch unsere internen Querelen ermüdet und genervt. Bei der LTW2012 noch einen Infostand gemacht, teilweise alleine, teilweise mit wenigstens zwei Mitstreitern (inzwischen auch nur noch einer).  Bei der BTW2013 hats gerade mal dazu gereicht die Plakate rechtzeitig an die Laternen zu kriegen. Mehr ging nicht. Keinen hat das mehr geärgert als mich – aber so ist die Realität oftmals in der Provinz.

Das ist nicht vergleichbar mit Berlin, Köln, Düsseldorf, München, etc. wo es mal mindestens ein halbes Dutzend Leute gibt, die gerade erholt genug sind was zu „wuppen“. In so kleinen Städtchen wie Leichlingen gibts manchmal überhaupt nur einen oder zwei aktive Piraten und die sind ebenso fertig mit der Welt wie zB unser (Ex-)BuVo. Das ist symptomatisch für die Masse der aktiven Piraten – und es wäre gefährlich das zu übersehen.

Wir haben alle zu viel gemacht und vor allem: zu viel gewollt. Jetzt ist es an der Zeit einen Schritt zurückzugehen und innezuhalten. Jetzt ist _nicht_ die Zeit mit viel Wirbel und Aktionismus loszurennen, die kommt in einigen Wochen oder Monaten, egal. Unsere einzige Chance das Boot vor dem Kentern zu bewahren ist, dass wir uns zurücknehmen und vielleicht auch unsere Diskussionen etwas zurechtstutzen. Muss man die Grünen bei der Gender-Debatte unbedingt auf breiter Front überholen? Muss man mit Gewalt neue Positionen in ein Parteiprogramm stopfen? Nein, muss man nicht. Im Gegenteil – wir sollten das Erreichte konsolidieren und auch Ballast entsorgen. Dafür müssen wir als Menschen wieder zu uns selber finden.

Es ist essentiell wichtig, dass wir uns als Einzelne nicht mehr so übernehmen wie in den letzten Jahren, wir müssen unsere Anstrengungen auf das Maximum (im Sinne einer Dauerleistungsgrenze) reduzieren und nicht mehr mit 125% an allem arbeiten und jeden Tag noch eine neue Front aufmachen. Nur so kann es überhaupt funktionieren, denn selbst wenn man mit zeitweiser 125%-Leistung eine irre tolle Partei aufbaut die in allem recht hat und die blühendsten Landschaften realisieren könnte, wird man dahin nicht kommen, weil niemand mehr da ist die Ideen wirklich in die Realität zu tragen.

Alle Ehrenamtler also einen Schritt zurück: alle fahren ihr Engagement auf das Niveau ihrer persönlichen Dauerleistungsgrenze zurück und ziehen nochmal 20% Sicherheits- und Einsatzreserve ab. Dann funktionieren vielleicht nicht alle Ideen und Visionen, aber wenigstens mal vielleicht 80% davon (Pareto-Prinzip) – aber die dann ordentlich(er).

Ich werde das so umsetzen. Ich werde mich auf die Kernkompetenzen konzentrieren, die ich liefern kann (im wesentlichen derzeit im Bundesschatzmeister-Team) und werde das versuchen zu optimieren. Alles andere werde ich eine Weile sein lassen. Bereiche, die dann vielleicht gar nicht mehr bearbeitet werden sind vielleicht auch nicht so wichtig oder nicht so relevant für unsere interne Arbeit.

Und wenn das funktioniert hat, wenn wir vielleicht in 6  Monaten unsere internen Dinge so geregelt haben und mit (dauer-)leistungsfähigen engagierten Menschen den Parteibetrieb als Unterbau für unsere Politik sauber laufen haben _DANN_ können wir uns in den Wahlkampf für die Europawahl stürzen. Vielleicht dann mit 3 statt mit 6 verschiedenen Flyern. Vielleicht mit Infoständen alle 4 Wochen, aber über einen längeren Zeitraum, als 2 kurz vor der Wahl mit Gewalt durchgeprügelt. Vielleicht aber auch nur mit neu auflebenden Stammtischen, wo man nicht hitzig gegeneinander brüllt, sondern einfach nur entspannt(!) ein Bierchen trinken kann und einem neuen Interessenten vielleicht mal in Ruhe was erklärt. Ganz einfach nur deshalb, weil der einzelne Aktiv-Pirat es etwas ruhiger angehen lässt und weniger genervt ist.

Aber auch die Strukturen selber müssen etwas umgebaut werden. Offensichtlich funktioniert einiges nicht so richtig gut nur mit Ehrenamtlern. Vielleicht ist es jetzt wirklich an der Zeit einige Bereiche zu professionalisieren um den bisher allein von Ehrenamtlern getragenen Unterbau zu stabilisieren und das bedeutet: bezahlte Leute. Eben Menschen, die nicht neben ihrem Broterwerb noch schnell was nebenher machen, sondern Menschen deren Broterwerb genau das ist – Arbeit für die Piratenpartei in deren Sinne zu leisten.

Man muss sicherlich nicht gleich in jeder Geschäftsstelle jemanden in Vollzeit anstellen, aber wenn wir zB unsere PolGF/Vorsitzenden/Pressesprecher et al. bezahlen hätten/haben die auch Zeit sich zB um Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern und in einer Talkshow nach der anderen zu sitzen – gleichzeitig kriegt die Partei Gesichter, und zwar konstant und nicht ständig andere.

Wenn unsere interne IT bezahlte Admins hätte, könnte auf Probleme schneller reagiert werden, Planungen wären vielleicht langfristiger möglich. Bezahlte Wahlkampfkoordinatoren mit weitreichenden Befugnissen und ausreichend Zeit für die Sache, etc. 80% des Parteiunterbaus können wir sicherlich weiterhin ehrenamtlich abfackeln, aber ein Kerngerüst von 20% bezahlten Kräften wäre extrem Hilfreich.

Den ersten Schritt haben wir ja schon gemacht, in dem wir für die Schatzmeister eine Kauf-Software einsetzen und der Beitragseinzug weitestgehend zentralisiert wird, einfach weil es Sinn macht wenn 2 oder 3 Menschen das in Vollzeit erledigen als wenn jeder Kreis- oder Landesschatzmeister vor sich hinwerkelt und alles doppelt, dreifach und mit höheren Zeitaufwand (wg. ständiger neuer Einarbeitung) gemacht wird. Zudem spart man immens Zeit bei der Erfüllung der parteilichen Rechtspflichten (zB Rechenschaftsberichte), weil die Daten einfach alle zeitnah da sind und nicht von übermüdeten und demotivierten Freiwilligen in einer kurzfristigen Nacht- und Nebel-Aktion zusammengeklöppelt werden müssen.

TL;DR

Manchmal sind die Dinge nicht so kompliziert, wie man sie macht (sowohl mein Artikel als auch die Lösungsmöglichkeiten an sich :-).
Deshalb sollte es mit einfachen Schritten möglich sein den Kahn wieder flott zu machen.

  • Alle reduzieren sich selber auf das Maximum (Dauerleistungsgrenze – 20%)
  • Einige Positionen (welche das sind muss man noch festlegen) sollten bezahlt werden, dadurch gibts Stabilität  und ggf. auch Außenwirkung (zB bei PolGF oder Vorsitzenden)
  • Stabilisierung des organisatorischen Unterbaus
  • Dann erst mit der Europawahl loslegen

 

Ach, Facebook …

2. September 2013 Posted by Bytewurm

Es reicht mir. Vor etwa einem Jahr habe ich mich dazu überreden lassen bei FaceBook einen Account zu öffnen und trotz viel Fummelei mit den Privatsphäre-Einstellungen war ich hinreichend zufrieden mit dem Ergebnis. Ich habe einfach nicht mehr mitgeteilt als ich in einer Kneipe erzählen würde wo jeder zuhört.

Aber mit der aktuellen Debatte um neue Nutzungsbedingungen ist mir die Lust vergangen mich immer wieder mit dem Mist beschäftigen zu müssen. Immer wieder neue Verwertungsversuche, immer wieder neue, zeitaufwändige AGB-Leserei – es reicht mir, meine Zeit ist mir dafür zu schade.

Ich hätte mich gar nicht überreden lassen dürfen, aber das bin ich ja nunmal selber schuld. Ich habe also dann heute endlich die Konsequenzen gezogen und einen Löschantrag für mein FaceBook-Konto gestellt. Wer mich da vermisst: bei Twitter gibts mich noch und Email bleibt auch vorerst erhalten 😉

 

GO

7. Dezember 2012 Posted by Bytewurm

Schon seit Jahren schleiche ich um dieses Spiel herum, das man aus dem asiatischen Raum vielleicht kennt: GO.

Vor einigen Wochen war es dann so weit und ich habe mich mit den Regeln etwas beschäftigt und einige kleine Partien gespielt. Ergebnis und Siegerehrung: ich bin ein völliger Noob (das heißt im Go eleganter „30 Kyu“ in Anlehnung an die Kampfsportkünste) und ich muss noch viiiiiiel üben, aber GO ist wirklich spannend.

Es geht darum mit schwarzen, respektive weißen Steinen auf einem 19×19 Brett (zum Üben auch kleiner) Gebiet so abzustecken, dass der Gegner es nicht mehr einnehmen kann. Wer das größte Gebiet abgesteckt hat, gewinnt. Insgesamt gibt es nur wenige Regeln, aber die Komplexität, die daraus entsteht ist um ein Vielfaches größer als beim Schach – beim Go gibt es mindestens 10^760 Kombinationsmöglichkeiten, beim Schach „nur“ 10^120.

Das ist schon immens und man wird als Anfänger auch auf dem großen 19×19 Brett genau davon erschlagen, dass es so viele Kombinationsmöglichkeiten gibt. Da ist es nicht so einfach sich auf eine bestimmte, klitzekleine Ministruktur zu konzentrieren wenn drumherum die Entropie tobt. Deshalb spielt man als Anfänger auch erstmal auf 9×9 oder 13×13 Brettern – und da fühle ich mich noch unwohl genug.

Mit etwas fachkundiger Hilfe bei der Kölner GO-Gruppe konnte ich durch die ersten Partien gegen einen Menschen stolpern. Dabei war das schöne, dass auch fortgeschrittene Spieler mit einem Anfänger wie mir auf „Augenhöhe“ spielen können (naja, so ähnlich zumindest), denn wie beim Golf mit dem Handicap gibt es beim GO sogenannte „Vorgaben“. Üblicherweise die Differenz aus der Spielstufe der jeweiligen Spieler in Steinen – also zB bekommt ein 15 Kyu gegen einen 12 Kyu drei Steine als Vorgabe aufs Brett als hätte er schon drei Züge gemacht. Das erhöht den Spielspaß am Anfang immens und lässt auch gute Spieler gerne mit Anfängern spielen, die sich ohne Vorgabe – wie zB auch beim Schach – eher etwas langweilen würden.

Die ersten Schritte im GO habe ich aber – wie man sich denken kann – am Computer und im Internet gemacht. Hier gibt es einen ganzen Haufen von guten Webseiten mit eingearbeiteten Tutorien, die aber alle eines gemeinsam haben: sie bereiten nur unzureichend auf das Spiel gegen einen Menschen vor, es ist etwas völlig anderes GO-Knobelprobleme irgendeiner Kategorie erfolgreich am Rechner zu lösen als die gleiche Situation dann auf dem Spielbrett auch wirklich wiederzuerkennen.

Aber es macht Spaß, vor allem weil man so vielfältig spielen kann: zu Hause am Rechner, unterwegs auf dem Smartphone, im Web synchron und asynchron (letzteres ist dann wie Briefschach, sehr gut geeignet wenn man nicht 2 Stunden Zeit am Stück findet und trotzdem gegen verschiedene Gegner spielen möchte) oder – so macht es noch am meisten Spaß: auf einem richtigen GO-Brett mit richtigen GO-Steinen und einem Spielpartner.

Ein paar Links noch:

  1. DGS – DragonGOserver (asynchrones Spiel)
  2. KGS GO Server (synchrones Spiel)
  3. Deutscher GO-Bund
  4. Senseis Library
  5. Go Problems
  6. Interaktive Einführung

 

Wer mal auf DGS gegen mich spielen möchte um was zu lachen zu haben, da bin ich natürlich auch als „bytewurm“ unterwegs. Falls einer der hier Lesenden selber GO spielt und mir was beibringen würde, ich bin dankbar für jede Lektion.

Über größere Fortschritte und Erkenntnisse werde ich hier berichten 😉

 

 

  • Archive

  • Kategorien

  • Meta