Wir sind Borg!?

8. August 2011 Posted by Bytewurm

Vor zwei Tagen las ich den Artikel “Nach dem Datenschutz” von Julia Schramm in der Flaschenpost. Ich fand ihn weder besonders toll geschrieben, noch konnte ich mich mit der Konklusio einverstanden erklären in dieser Form, aber mir waren einige Dinge von Anfang an klar:

  1. Hier hat jemand eine eigene Meinung
  2. Diese Meinung wurde durchaus adäquat vorgetragen
  3. Das habe ich zu respektieren auch wenn mir der Inhalt nicht unbedingt gefällt

Ich kenne Julia nicht persönlich, das muss ich auch nicht, aber scheinbar gibt es viele, die sich sofort aufschwingen sehr persönliche Anschuldigen loszuwerden (siehe Kommentare zum Artikel). Ich finde die Darstellung und Argumentation auch merkwürdig und ich hätte mir ebenso wie andere gewünscht, dass hier der Privatcharakter etwas besser zur Geltung kommt.

Wir Piraten sind immer schnell dabei bei anderen Parteien sofort offizielle Meinung für die Plattitüden und Dummschäwtzigkeiten von einzelnen Mitgliedern zu vermuten, nur weil die Trennlinie zwischen Privatmeinung und Parteimedium etwas unscharf ist (siehe SPD “IPv6 – Eine Gefahr mit größerem Schadenspotential als die Entdeckung der Kernspaltung“). Und was machen wir selber? Wir trennen selber nicht so scharf. Muss man auch nicht immer, denn das Leben ist nun mal nicht von knallharten Demarkationslinien durchzogen, es ist immer irgendwie verschwommen. Und schließlich machen Menschen die Partei und die Politik und man kann – auch wenn andere das Gegenteil behaupten mögen – nicht immer völlig trennscharf seine Rollen wechseln.

Ein bisschen mehr Verständnis für die andere Seite täte uns gut, denn auch das sind Menschen, die – wie wir – verstanden und akzeptiert werden wollen. Wir sind dabei unseren eigenen kategorischen Imperativ aufzugeben, wenn wir ihnen das nicht mehr zugestehen, seien es nun Piraten oder nicht-Piraten, Männlein oder Weiblein, grün-gepunktet oder lila-kariert.

Einige wenige(!) haben es mal wieder geschafft aufgrund von maximaler Intoleranz bei völliger Ahnungslosigkeit einen andern Menschen zu verletzen und eine ganze Partei in ein schlechtes Licht zu rücken. Im Nachgang zu dem Artikel von Julia ist diese wohl bedroht, belästigt und insgesamt sehr hart angegangen worden (siehe Ihren Blogeintrag “Meinung und Freiheit“). Ich bin der Sache nicht nachgegangen, habe mir also die “Beweise” nicht angeschaut, aber das ist auch nicht nötig.

Zum einen habe ich keinen Grund Julia nicht zu glauben und zum anderen deckt sich das Verhalten dieser seltsamen Mobber mit meinen eigenen Beobachtungen. Wir haben einige in unseren Reihen, die der Meinung sind “Pirat” im Parteisinne sei jeder, der seine eigenen Meinungen ohne Rücksicht auf Verluste durchprügelt und statt Dialog ggf. nur plakative und weitestgehend pubertäre Phrasen und Aktionen auf Lager hat, solange er nur den etablierten Parteien widerspricht.

Das kann so nicht richtig sein. Das ist nicht “piratig”, nicht zielführend und hat schon gar nichts mit Politik zu tun.

Ein paar Menschen respektieren andere nicht, weil sie eine andere Meinung haben. Warum aber sind sie dann Piraten geworden, warum fordern sie diesen Respekt für sich selber ein? Wir sind doch die anderen, die eben nicht im tiefen Spendensumpf sitzen, die keine lobbygetriebene Klientelpolitik wollen, wir sind die anderen, wir sind die besseren. Wir machen alles anders, wir sind toller, doller und überhaupt. Widerstand ist zwecklos. Wir sind Borg!?

Nein, so geht es nicht. Ich will, dass alle individuell bleiben können und ihre Meinung sagen, wenn das große Ziel dabei immer im Blick ist. Gewalt (auch verbale) ist nicht zielführend und zeugt von politischem Unvermögen – vielleicht tritt man dann besser bei der <persönlich-favorisierte-Aktivistengruppen-einfügen> ein und bei den Piraten aus.

Die Ideale die wir haben (und die unterscheiden sich innerhalb der Piraten ganz ordentlich) müssen alle(!) geschützt werden, da hat niemand das Recht seine eigene Meinung in dieser Form über die eines anderen zu stellen.

Die Gleichzeitigkeit der Meinungen und das Miteinander der Menschen ist der Weg, den wir gehen sollten, nicht der Anti-XY Terror, das Beleidigen, Diffamieren. Wer nicht adäquat artikulieren kann, was er meint, der ist in der Politik falsch. Natürlich darf man mal daneben liegen und sich auch mal im Ton vergreifen – aber derartige persönliche Anfeindungen wie gegen Julia haben da nichts verloren.

Die Piraten sind bald am Scheideweg angekommen, an dem die 10% Aktiven die 80% Standard-Piraten mitnehmen und die 10% Restindividuen loswerden müssen, denn im Blick der Öffentlichkeit – und dafür werden andere Parteien sorgen, so wie wir mit Ihnen bisweilen umgegangen sind – stehen oft nur die letzteren.

Privatkopie – England legt vor

4. August 2011 Posted by Bytewurm

Endlich tut sich etwas an der lobbyverseuchten Front der Anti-Kopierer. England will nun die Privatkopie legalisieren und hat scheinbar auch das unsinnige Instrument der Netzsperren aus der Diskussion gestrichen:

In Großbritannien ist das Übertragen von legal erworbener Musik oder Videos in andere Formate (etwa von einer CD in eine MP3) sowie das Anlegen von Back-Ups der eigenen CD- oder MP3-Sammlung bislang verboten. Jetzt will das Land sein Urheberrecht aber modernisieren. Der britische Wirtschaftsminister Vince Cable hat am Mittwoch mitgeteilt, dass das Kopieren von CDs und DVDs für den Privatgebrauch legalisiert werden soll. „Dadurch wird das Gesetz in Einklang mit dem gesunden Menschenverstand gebracht“, so Cable zum Guardian.

(Quelle: http://futurezone.at/netzpolitik/4317-grossbritannien-legalisiert-privatkopie.php)

Dieser Schritt ist zu begrüßen und die Aussage mit dem “gesunden Menschenverstand” unterschreibe ich sofort. Hoffentlich nehmen sich auch unsere Politiker ein Beispiel, wie man die digitale Welt in die Realität integriert und nicht mit analogen und anachronistischen Mitteln versucht zu verbiegen. Die private Kopie von legal erworbenen Medien muss erlaubt sein, der gewerbliche Handel damit sollte es nicht sein!

Studien belegen immer wieder, dass “Kopierer” (auch Filesharer) mit die besten Kunden für legal erworbene Medien sind, Infos darüber gibt es zB hier:

  1. Ehemaliger EMI-Manager über Piraten und das Musikgeschäft
  2. Nutzer von kino.to gehen überdurchschnittlich oft ins Kino…
  3. The Effect of File Sharing on Record Sales (Oberholzer-Gee, Felix & Strumpf, Koleman (March 2004))
  4. Die Unterhaltungsindustrie gegen das Filesharing (Achmed Baizza)

Die Content-Industrie kontert mit eigenen Studien, die – natürlich – zu anderen Ergebnissen kommen.

Bananenrepublik Deutschland

1. Juli 2011 Posted by Bytewurm

Das ist doch zum verrückt werden.

3 Jahre haben die Damen und Herren Diätenerhöher Zeit gehabt ein neues Wahlrecht auf den Weg zu bringen, aber erst kurz vor Ablauf der Frist (30.6.) bequemt man sich überhaupt mal dazu über das Problem zu diskutieren.

Und dann wird auch noch ein Vorschlag vorgelegt, bei dem die vom Bundesverfassungsgericht angemahnten Probleme (Negatives Stimmgewicht) nicht einmal im Ansatz beseitigt werden.

Da bleibt einem doch nur noch Kopfschütteln übrig, oder?

http://www.wahlrecht.de/news/2011/14.htm

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