MacOS

January 29, 2009

Mac OS hat mich beeindruckt, das hat wohl jeder schon mitbekommen, aber trotzdem dauert es eine Weile, bis man sich der Magie des Systems vollständig hingeben kann und fällt bisweilen in alte Verhaltens- und Nutzermuster zurück.

Kaum hatte mein MacOS das Licht der Welt erblickt wurde es auch schon mit der üblichen Software-Flut überschüttet: Firefox, Thunderbird, OpenOffice und und und.

Nach einigen Tagen des Testens und Arbeitens sind diese Kollegen alle den mitgelieferten Standardtools wie Safari und Mail.app gewichen, denn nur diese verkörpern wirklich den Apple-Way. Sie sind schlank und reduziert aufs Notwendige, alles andere ist in nachgelagerten Menüs und wird nur selten überhaupt gebraucht.

So gut die OpenSource Applications auch sind, sie sind ebenso überladen mit Features wie die Desktops auf denen sie meistens laufen (Windows, Linux). Kaum hatte ich die beiden Kollegen aus dem Dock auf die Reservebank (zB zum Testen) geschickt wurde das Arbeiten wieder angenehmer - von der besseren Integration mit zB Kontakten mal ganz zu schweigen.

Schwieriger war das schon bei OpenOffice, denn das ist ein jahrelanger, treuer Begleiter, der mich nie im Stich gelassen hat (vielleicht auch, weil ich größere Projekte immer sofort mit LaTex mache und kein WYSIWYG nutze) und den ich nun doch in die Reserve schicke.

Warum? Der Artikel meines Freundes Jochen Wolters hat mir die Augen da ein wenig geöffnet, Mac-ähnlich ist nicht notwendigerweise auch Mac-kompatibel und auch ansonsten hatte ich immer ein eher unbestimmtes Unwohl-Gefühl bei der Nutzung von OOo 3.0 unter MacOS - es passte nie so ganz.

Die Oberfläche von OOo ist aus Mac-sicht eher enttäuschend, wenn auch hübsch anzuschauen und für den langjährigen User ohne große Überraschungen. Aus Sicht der Reduktion und der Nutzbarkeit des Interfaces ist es ebenso schlecht wie viele andere Applikationen, weil eben die Kleinigkeiten nicht stimmen.

Deshalb hat mich der Weg nach einigen Tests zu iWork'09 geführt. Die drei enthaltenen Programme erfüllen meine Anforderungen zu 90% und für den Rest habe ich immer schon LaTeX genommen. OOo wird wohl sein Nischendasein in der 2. Reihe weiterfristen, denn irgendwie müssen die alten Dokumente auch mal konvertiert werden, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Nachteil: iWork'09 ist kostenpflichtig, aber auch nicht so teuer, dass es mir meine Arbeit nicht wert wäre mit meinem OS besser zu integrieren als andere Produkte das können.

Ein Punkt mehr, der mir zu denken gibt: so frei das Format auch ist bei Openoffice, es ist eine Insel. Leider. Da kann ich dann aber auch gleich auf die Insel setzen auf die ich mich freiwillig und voller Freude begeben habe (die zudem noch einen Tick besser mit dem leider-Marktführer kooperiert): Apple-Island.

Es ist mir egal, ob ich auf einer Insel lebe und etwas weiter ab vom "normalen". Es ist mir auch egal, wenn andere mich dafür belächeln, dass ich jeden Tag mehr Reduktion in mein Leben lasse, jeder bekommt das System, das er verdient ;-)

Aussteiger aus dem realen Leben, die auf eine Insel ziehen und zB den Caribbean-Dream leben, die werden bewundert, Apple-Insulaner werden verspottet und belächelt. Ob da nicht ein wenig der Neid spricht? Und da soll man als Apple-Anhänger nicht den oft nachgesagten verklärten Blick mit einer Spur Arroganz aufsetzen?

Nein, man sollte es nicht, denn es ist unhöflich und kontraproduktiv - aber verlockend.

The Truth is out there.