Das zweite Jahr meiner Reise ins Gälische war (zumindest "gefühlt") nicht ganz so entspannt. Die Sprachkonstrukte werden komplexer, die Menge an Vokabeln größer und die Feinheiten lassen mich bisweilen verzweifeln.
Dazu kommt, dass die Sprache im Gegensatz zum Deutschen oder Englischen deutlich weniger standardisiert ist, was mich als regelverliebten Kleingeist manchmal einfach fertig macht. Im Deutschen schaue ich in den Duden, im Englischen ins OALD und schon habe ich eine verlässliche Idee davon, wie es richtig geht.
Im Gälischen gibt es starke unterschiede - im Kurs lernen wir den Dialekt von South-Uist, der Kollege Jason Bond auf YouTube hat irgendeine andere Variante und Duolingo schraubt sich völlig schräge Sachen zurecht.
Wörter wechseln ihr Geschlecht je nach Region und manchmal auch nach Kontext, das macht mir zuschaffen, weil ich über 1 Jahr lang versucht habe mich aus vielen Quellen zu bedienen. Das muss ich wohl sein lassen.
Das führt leider dazu, dass ich dann mit was neuem im Kopf in den Kurs gehe und die Trennung nicht hinbekomme. Dann erlebe ich wieder so Abende, wo ich heulen könnte, weil gar nichts klappt. Wenn ich mir das dann hinterher nochmal in Ruhe anschaue, sehe ich oft genug, dass das meiste Schwachsinnsfehler sind, die ich eine Woche vorher nicht gemacht habe und die "echten" Fehler dann nicht mehr so dramatisch ins Gewicht fallen, wie es den Anschein hatte.
Ich befürchte, ich habe es in den letzten Monaten übertrieben und das bisschen Zeit, die ich für Gälisch erübrigen konnte, viel zu sehr zwischen den verschiedenen Bereichen mit Youtube-Videos, BBC-Learning, Coffebreak-Gàidhlig und Duolingo zersplittert.
Ich werde nicht umhinkommen mich mehr auf das Kursbuch zu konzentrieren und den ganzen Rest mehr oder weniger sein zu lassen. Ich traue mich derzeit nicht mal mehr an die Lektüre von "Deirdre agus an Rìgh" von Jason Bond, obwohl ich mit dem ersten Band "Ròna agus MacCodruim" sogar ganz gut klarkam. Nicht, dass ich das Zeug alles behalten hätte, aber es hinterließ ein gutes Gefühl sich da einmal durchgegraben zu haben.
Ich denke, ich werde meiner Maxime "Reduce to the Max" folgen müssen, um hier nicht völlig frustriert aufzugeben. Die aktuelle Kursphase neigt sich dem Ende und beim nächsten Kurs bis zum Sommer bin ich auf jeden Fall noch weiter dabei, aber wenn ich hier keine Lösung finde, wird es schwierig weiter zu machen.
Das wäre sehr schade, denn meine Kurskolleg*innen und unser Sprachlehrer sind mir in den letzten 2 Jahren doch sehr ans Herz gewachsen, aber wenn man Mittwochs um 17 Uhr überlegt, ob man sich um 18 Uhr wirklich in den Kurs traut und man um 19:30 Uhr frustriert aus der Session geht, dann ist das nicht so gut.
Insbesondere dann, wenn man mit der Überzeugung in den Kurs geht, dass man die Hausaufgaben ganz ordentlich hinbekommen hat, nur um dann festzustellen, dass man völlig unkonzentriert war, die Kernidee von Genitiv-Konstrukten nicht verinnerlicht und zudem noch in jedem Satz Doofmannsgehilfenfehler eingebaut hat, dann ist das nicht schön.
Da kann aber keiner was für, außer mir selber.
Ich habe vor 2 Jahren aus der Überlegung heraus mit Gälisch begonnen, dass mein Gehirn mal anderen Input braucht und weil ich es spannend fand um vielleicht auch im Schottlandurlaub was davon anwenden zu können - schließlich kann ich auch auf spanisch ein Bier bestellen - aber es ist dann doch mehr geworden.
Leider kann ich bei weitem nicht so viel Zeit aufwenden, wie ich gerne würde und das macht die Milch gerade richtig sauer, denn während ich passiv einem einfachen Gespräch einigermaßen folgen kann, ist das aktive Sprechen die Hölle, wenn dann selbst das Schreiben nicht mehr gut klappt, weil die Grammatik einfach nicht sitzt, dann hört es auf Spaß zu machen.
Mein Ansatz mit "täglich was Schreiben" hat dem Arbeitsalltag nicht standgehalten und meine Talks mit ChatGPT habe ich schon lange wieder aufgegeben, weil selbst ich da gemerkt habe, dass das bestenfalls zur Tippfehlerkorrektur oder als Ideengeber, aber nicht als Lerninstanz taugt.
Anyway, die Reise geht vorerst weiter. Mal schauen, wie lange noch.